Lichtkreise

Lichtkreise Buchcover

Lichtkreise – Provokationen christlichen Denkens

Sonnenfinsternisse zählen zu den faszinierendsten Naturerscheinungen. Für kurze Zeit verdunkelt der Mond die Sonnenscheibe, und wenn sein Kernschatten die darunter liegenden Gebiete trifft, entsteht eine höchst eigenartige Atmosphäre. Für wenige Minuten hält die Natur den Atem an, was sogar am Verhalten der Tierwelt zu beobachten ist.

Die Menschen richten ihre Blicke in den Himmel, um dieses Phänomen zu bestaunen. Doch sie wissen, dass nach wenigen Augenblicken die Sonne ihre Strahlkraft wieder zurückerhalten wird.

Manche Ereignisse können unser Leben verdunkeln – partiell, mitunter total. Wenn großes Leid den Blick auf Gott verdeckt, stellen viele Menschen seine Existenz überhaupt in Frage. Aber wie die Sonne nicht die Ursache ist, dass der Schatten des Mondes auf die Erde fällt, sind auch die Schattenseiten des Lebens nicht Gott zuzuschreiben.
Wir können aber darauf vertrauen, dass Gott uns auch in schweren Stunden nicht verlässt, so dass wir selbst in ausweglosen Situationen eine Zeit erwarten dürfen, die uns seine Liebe wieder spürbar werden lässt.

Autor: Eckehard Bamberger
ISBN-13: 978-3200010918
Preis: 20,60 €
Seitenanzahl: 207 Seiten, gebunden, Hardcover

Leseprobe

Wir Christen aber tragen die Last der Arbeit

In den katholischen Kirchen Österreichs sind sie heute nur mehr selten anzutreffen. Kirchenbesucher älterer Jahrgänge werden sich an die aus Messing, Eisenblech oder Porzellan angefertigten Namensschilder vielleicht noch erinnern, die an den Bänken angeschraubt waren. In ländlichen Pfarreien bestand nämlich lange Zeit die Möglichkeit, gegen Bezahlung einen Kirchensitz zu erwerben, der seinem Inhaber quasi ein Vorrecht für die Benützung dieses ihm namentlich zugewiesenen Sitzplatzes einräumte. Platzhalter dieser Art förderten nicht nur das Ansehen seiner Inhaber in der Gemeinde, sondern galten zu allererst als ein Zeichen besonderer Frömmigkeit. Wie es das sonntägliche Ritual damals verlangte, wechselte so mancher nach getaner Christenpflicht und kurzem Tratsch vor dem Kirchenportal mit Freunden und Bekannten zum nahen Frühschoppen, wo der Stammtisch auf die örtlichen Honoratioren schon wartete. So wurden beide Stammplätze, jener zur Ehre Gottes, und der andere zum eigenen Vergnügen, wann immer es ging, recht fleißig in Anspruch genommen. Doch selbst 47 Der religiöse Mensch Aus Religiosität entstehen Religionen dem einfältigsten unter den Kirchenstuhlinhabern wird es nie in den Sinn gekommen sein, mit seinem namentlich gekennzeichneten Platz auf einer der vordersten Bänke, die Heiligen im Himmel dadurch beeindrucken zu können.
Ganz anders verhielt es sich da bei jenen Personen, die wegen ihres Reichtums und Ansehens in Kirche, Staat und Gesellschaft von religiöser Eitelkeit angetrieben, sich von den berühmtesten Künstlern ihrer Zeit bedenkenlos in den christlichen Himmel hineinmalen ließen. Auf solchen Bildern, die sogar als Altargemälde Verwendung fanden, sind die Geldgeber (auch Stifter genannt), ob Könige, Fürsten, Bischöfe, Angehörige des Adels oder gut situierte Bürger, meist als Betende vor dem Thron des Allerhöchsten inmitten der himmlischen Heerschar, kniend oder aufrecht stehend, dargestellt. In mittelalterlicher Zeit zeigten sich die hochwohlgeborenen Spender noch bescheiden. So war es damals üblich, in biblischen Szenen sich in sehr viel kleinerer Gestalt als die Hauptfiguren abbilden zu lassen, die meist am unteren Rand eines Gemäldes angesiedelt wurden (Abb. 4). Mit steigendem Selbstbewusstsein des Menschen in der Renaissancezeit, gaben sich die Stifter mit ihrer Nebenrolle nicht mehr zufrieden und ließen sich jetzt in gleicher Größe mit den Gestalten der Bibel portraitieren. Viele Auftraggeber von Altarbildern führten jedoch kein Leben, das dem in den Evangelien geforderten Menschenbild entsprochen hätte. Jene, die das Leben in vollen Zügen genossen, präsentieren sich in den von ihnen gestifteten Bildern als Platzhalter in eigener Sache als Männer großer Gottesfurcht, würdig genug, in die Schar der Heiligen einmal aufgenommen zu werden. Eine Heiligsprechung sui generis, allein aus der Hand des Künstlers! Im 19. Jahrhundert wurde endlich damit begonnen, viele Stifterbildnisse aus den Kirchen zu entfernen. Die wertvollsten unter ihnen trifft man heute in Museen an, wo sie auch hingehören (Abb. 5). Einen Platz im Himmelreich sich schon auf Erden zu sichern – wie viele Christgläubige würden sich nicht so etwas wünschen?
Im „Gleichnis von 48 Der religiöse Mensch den Arbeitern im Weinberg“ (Mt. 20, 1-16) finden sie die Antwort, mit der viele so gar nicht zufrieden sein werden. Denn mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Gutsbesitzer, der früh am Morgen sein Haus verließ, um Arbeiter für seinen Weinberg anzuwerben. Er einigte sich mit den Arbeitern auf einen Denar für den Tag und schickte sie in seinen Weinberg. Um die dritte Stunde ging er wieder auf den Markt und sah andere dastehen, die keine Arbeit hatten. Er sagte zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Ich werde euch geben, was recht ist. Und sie gingen. Um die sechste und um die neunte Stunde ging der Gutsherr wieder auf den Markt und machte es ebenso. Als er um die elfte Stunde noch einmal hinging, traf er wieder einige, die dort herumstanden. Er sagte zu ihnen: Was steht ihr hier den ganzen Tag untätig herum? Sie antworteten: Niemand hat uns angeworben. Da sagte er zu ihnen: Geht auch ihr in meinen Weinberg! Als es nun Abend geworden war, sagte der Besitzer des Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter, und zahle ihnen den Lohn aus , angefangen bei den letzten, bis hin zu den ersten. Da kamen die Männer, die er um die elfte Stunde angeworben hatte, und jeder erhielt einen Denar. Als dann die ersten an der Reihe waren, glaubten sie, mehr zu bekommen. Aber auch sie erhielten nur einen Denar.
Da begannen sie, über den Gutsherrn zu murren, und sagten: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sie uns gleichgestellt; wir aber haben den ganzen Tag über die Last der Arbeit und die Hitze ertragen. Da erwiderte er einem von ihnen: Mein Freund, dir geschieht kein Unrecht. Hast du nicht einen Denar mit mir vereinbart? Nimm dein Geld und geh! Ich will dem letzten ebenso viel geben wie dir. Darf ich mit dem, was mir gehört, nicht tun, was ich will? Oder bist du neidisch, weil ich (zu anderen) gütig bin? So werden die Letzten die Ersten sein und die Ersten die Letzten.

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Lieblingszitat

„Das Geheimnis Gottes liegt in seiner Menschwerdung

Das Geheimnis des Menschen liegt in seiner göttlichen Herkunft.“

Eckehard Bamberger

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